Entrepreneurship für Frauen attraktiver machen

  • Nur wenige Frauen in Österreich bauen ein Start-up auf. Das Netzwerk „Female Founders“ möchte dies ändern und sie dabei unterstützen. Eine Bestandsaufnahme der weiblichen Start-up-Szene. „Einfach mal machen“ – das ist nicht bloß ein Ratschlag, den Lisa-Marie Fassl und Tanja Sternbauer Gründerinnen mit auf den Weg geben wollen, es ist fast schon ihr Credo. Sich auf Dinge einlassen, eigene Erfahrungen sammeln und schauen, ob es gut geht. Klingt einfach, in der Praxis gehen aber nur wenige Frauen in Österreich den mitunter gewagten Weg, ein Start-up aufzubauen. Der Frauenanteil bei Gründungsteams in der heimischen Start-up-Szene liegt laut „Austrian Startup Monitor 2018“ bei lediglich 12 Prozent – und das obwohl internationale Studien ergeben haben, dass von Frauen geführte Start-ups ein um 35 Prozent höheres ROI (Return of Investment) erzielen. 2016 gründeten Fassl und Sternbauer gemeinsam mit Nina Wöss das Netzwerk „Female Founders“. Das ausgewiesene Ziel: Frauen dabei zu unterstützen, ihr eigenes Unternehmen zu gründen. Entrepreneurship soll für Frauen attraktiver werden.

Netzwerk statt alleine

  • Alle drei sind schon seit einigen Jahren in unterschiedlichen Rollen in der Start-up-Szene aktiv. Mit „Female Founders“ wollen sie die wenigen Gründerinnen besser vernetzen, sie sichtbar machen und Vorbilder schaffen. Hemmschuh von Gründerinnen mag laut der Studie „Female Founders Report“ auch die hohe Quote an Ein-Personen-Unternehmen sein (78 Prozent). Auch nach einiger Zeit arbeiten 72 Prozent der Gründerinnen noch immer alleine. „Female Founders“ will sie mit MentorInnen aus allen Bereichen der Wirtschaft zusammenbringen, um beim Aufbau ihrer Firmen zu helfen. In Workshops geht es um Geschäftsmodelle, Innovationsprozesse und Team-Aufbau.

Zusätzliche Skills erwünscht

  • Und damit dürften Fassl, Sternbauer und Wöss genau die Bedürfnisse ihrer Zielgruppe getroffen haben. Für den „Female Founders Report“ wurden im Jahr 2016 200 Frauen aus der österreichischen Gründungsszene befragt. Sie sehen vor allem in drei Bereichen Handlungsbedarf, um eine unternehmerische Laufbahn für Frauen attraktiver zu machen:

    • Verstärkte Vermittlung von Know-how hinsichtlich betriebswirtschaftlicher und rechtlicher Grundlagen.
    • Stärkung von Soft Skills wie z.B. Verhandlungs- und Präsentationstechnik.
    • Vernetzung und gegenseitige Unterstützung von Gründerinnen.
    Lediglich 6 Prozent gaben an, für den Start ins Unternehmertum gut gerüstet gewesen zu sein und keine zusätzlichen Skills benötigt zu haben.

Frauen im Vorteil

  • Entrepreneurship in Österreich ist stark männlich geprägt. So ist die Mehrheit der für den Report befragten Frauen in der Gründungsszene der Meinung, dass Männer selbstbewusster auftreten würden, entschlussfreudiger und risikobereiter wären. Sowohl Fassl – derzeit auch Managing Director beim Investoren-Netzwerk Austrian Angel Investors Association – als auch Sternbauer  – derzeit auch Managing Partner von Startup Live  – sehen es hingegen als Vorteil, als Frau in einer männlich dominierten Community wie der Start-up-Szene tätig zu sein. Weil man schneller auffällt, sich viele Möglichkeiten eröffnen und man sich dadurch besser positionieren könne. Man müsse sich als Frau aber auch behaupten können, da die Erwartungshaltung oftmals höher sei als bei Männern. Die Motivation der drei Gründerinnen zu „Female Founders“ ist aus eigenen Erfahrungen entstanden. Ein Problemfeld, das sie dabei ausgemacht haben: Vielen Frauen, die ein Start-up gründen wollen, fehlt der Zugang zu Mentoren. Der frühe Kontakt zu Role Models mit Vorbildcharakter sei somit ein zentrales Element, so Fassl, Sternbauer und Wöss in ihrem Visionspapier. Hier dienen die „Female Founders“ als Vermittlungsplattform. Es ist eine Non-Profit-Organisation, die Mitarbeiter sind ehrenamtlich tätig, die Events werden über Sponsoring finanziert. Das Netzwerk wurde im Vorjahr beim aws-Programm JumpStart ausgewählt und mit über 20.000 Euro gefördert – damit auch Frauen Gründen als Option nutzen. Hier schlummert noch ein recht großes Potenzial. Auch international. Die Female-Founders-Community umfasst nämlich Mitglieder aus bereits mehr als 10 Nationen.

Fast Facts

  • Die wichtigsten Motive von Gründerinnen:

    • Selbstverwirklichung: 45 % zukünftige Gründerinnen, 34 % Gründerinnen
    • Eigene Chefin sein: 23 % zukünftige Gründerinnen, 27 % Gründerinnen
    • Flexible Zeiteinteilung: 8 % zukünftige Gründerinnen, 13 % Gründerinnen
    • Geniale Idee: 12 % zukünftige Gründerinnen, 11 % Gründerinnen
    • Keinen passenden Job gefunden: 8 % zukünftige Gründerinnen, 11 % Gründerinnen

  • (Quelle: Austrian University Female Founders Report 2016)